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Kfz-Branche gegen Bargeld-Limit der Regierung

 
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admin



Anmeldungsdatum: 22.07.2004
Beiträge: 2293

BeitragVerfasst am: Fr Apr 08, 2016 5:35 pm    Titel: Kfz-Branche gegen Bargeld-Limit der Regierung Antworten mit Zitat

Autokauf nur noch per Kreditkarte?

Die Politik will eine Bargeld-Obergrenze von 5.000 Euro. Doch gerade den Autokauf und -verkauf würde das wohl empfindlich stören. Denn nirgendwo sonst spielt Bargeld eine so große Rolle wie beim Gebrauchtwagenhandel. Das hat auch psychologische Gründe.
• Die Bundesregierung hat kürzlich die Debatte angestoßen: Bargeld-Geschäfte oberhalb von 5.000 Euro sollen in Deutschland verboten werden.
• Das zielt indirekt auf den Gebrauchtwagenhandel: Nirgendwo sonst in der Wirtschaft geht so häufig so viel Geld in bar über den Tisch.
• Für Gebrauchtwagenkäufer würde die Regelung die Preisverhandlung erheblich erschweren, weil ein psychologisches Moment entfällt.

Gegen Schwarzarbeit und Geldwäsche
„Prompt Bargeld – von Schrott bis Top“ oder „Sofort-Cash direkt auf die Hand“: In kaum einem Wirtschaftszweig spielt Bargeld eine so große Rolle wie in der Kfz-Branche. Wer einen Gebrauchtwagen kauft, geht in der Regel mit einem Bündel Euro-Scheine zum Händler, auch fünfstellige Cash-Beträge sind keine Seltenheit.

Der Zentralverband des Kfz-Gewerbes hat hochgerechnet, dass ein Gebrauchtwagen 2014 in Deutschland für durchschnittlich rund 9.000 Euro den Besitzer gewechselt hat. 65 Prozent der Käufe wurden mit dem Erlös des vorherigen Autos oder eigenen Ersparnissen finanziert. Naheliegend, dass es sich dabei im Wesentlichen um Bargeld handelt.
Doch nach dem Willen der Politik soll mit diesen Schein-Geschäften bald Schluss sein. Die Bundesregierung plant die Einführung einer Bargeld-Obergrenze von 5.000 Euro. Alle Beträge oberhalb dieses Limits sollen künftig nur noch bargeldlos erlaubt sein – also etwa per Überweisung oder Kreditkarte.

Das Ziel: Für die Behörden soll es künftig besser nachvollziehbar sein, wohin größere Summen fließen. Vorgeblich sollen damit Geldwäsche, Schwarzarbeit und nicht zuletzt organisierte Kriminalität und Terrorismus bekämpft werden.

Fast alle Autohändler lehnen Pläne ab
Die Bargeldgrenze müsse her, damit Deutschland kein „Hort von Kriminellen“ bleibe, meinte dazu der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Michael Meister vor ein paar Wochen in einer öffentlichen Fernsehdebatte.
In der Kfz-Branche stoßen die Pläne auf breiten Widerstand. „Die Bargeldzahlung stellt im Autohandel die bedeutendste Zahlungsmethode dar“, sagt Ansgar Klein, Geschäftsführender Vorstand beim Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK). Man sehe die Überlegungen zu Bargeld-Obergrenzen daher äußerst kritisch.
In einer Umfrage befragte der BVfK seine 800 Mitgliedsunternehmen zu den Plänen der Politik: Dabei gaben 94 Prozent der Händler an, eine Bargeld-Obergrenze als erheblichen Eingriff in den Geschäftsablauf zu werten.

Die Mehrheit bezahlt Autos mit Cash
Denn der Anteil der Bargeld-Geschäfte im Gebrauchtwagenhandel ist auch im Zeitalter von Online- und Mobile-Banking beträchtlich – in der BVfK-Umfrage lag er bei satten 67 Prozent. Davon wiederum hätten 76 Prozent der Geschäfte über der Obergrenze von 5000 Euro gelegen. „Die Dimension der Veränderung im Fahrzeughandel durch eine Obergrenze wäre dementsprechend enorm“, unterstreicht Klein.
7,3 Millionen Fahrzeuge waren es, die im vergangenen Jahr laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Deutschland den Besitzer wechselten. Der durchschnittliche Preis für ein Auto lag bei 10.180 Euro. Für Bargeld-Geschäfte eine beträchtliche Summe: Mindestens 20 große 500-Euro-Scheine oder entsprechend mehr Kleingeld muss man bei diesem Kaufpreis hinlegen.
Um Gewaltkriminalität vorzubeugen, rät mobile.de daher grundsätzlich davon ab, größere Bargeldmengen zum Autokauf mitzunehmen. Der ZDK ist trotzdem gegen eine Bargeld-Obergrenze. „Wir meinen, die Freiheit mit Bargeld zu bezahlen, sollte erhalten bleiben“, sagt ZDK-Sprecher Ulrich Köster. Die im Geldwäschegesetz festlegte Grenze (ab 15.000 Euro verstärkte Kontrollpflichten) reiche völlig aus.

Besser handeln mit Bargeld in der Hand
Doch warum ist Bargeld den Deutschen beim Autokauf eigentlich so wichtig, während sie im Supermarkt oder an der Tankstelle deutlich kleinere Summen meist viel lieber mit EC-Karte zahlen?
Glaubt man Psychologen, liegt es daran, dass die Deutschen so gerne feilschen. Ob Gehaltsverhandlung, ein Basar-Besuch im Urlaub oder beim Kauf eines Autos: Mit und um Geld verhandele die Welt, und zwar am liebsten mit Barem, erklärt Roman Trötschel, Professor für Sozial- und Organisationspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg.
Trötschel hat sich mit wissenschaftlich mit der Frage befasst, warum Geld im Kontext von Verhandlungen eine so bedeutsame Rolle spielt und warum andere Ressourcen wie eine Ware, eine Dienstleistung oder die Arbeitskraft häufig in den Hintergrund treten. Seine Beobachtung: Menschen neigten dazu, die Verhandlung über einen Gebrauchtwagen, ein Fahrrad oder einen Computer nicht als „Warenverhandlung“, sondern als „Preisverhandlung“ zu bezeichnen. Geld sei dabei die dominierende Bezugsgröße, die das Gewinn- und Verlusterleben von Menschen maßgeblich beeinflusse.

Ein wichtiger Faktor ist dabei die Teilbarkeit des Geldes. So lässt sich ein Betrag von 100 Euro in unterschiedliche Teilbeträge (10 Euro, 1 Euro) bis zur kleinsten Einheit von 1 Cent aufteilen. „Im Gegensatz hierzu ist die Ressource eines gebrauchten 1997er VW Golfs nicht in kleine Teile der gleichen Ressource teilbar”, erklärt Psychologe Trötschel.
Verhandlungsbasis ist weithin üblich
Die Teilbarkeit hat weitreichende Auswirkungen auf das Verhandlungsgeschehen. Denn dadurch können leichter Zugeständnisse gemacht werden. „Es liegt in der Natur der Sache, dass nur dann verhandelt werden kann, wenn es auch verschiedene, kleinschrittige Einigungsoptionen gibt“, meint Trötschel. So bewegen sich Käufer und Verkäufer typischerweise auf der Preisdimension in vielen kleinen Schritten aufeinander zu.

Typisch bei Gebrauchtwagen-Offerten ist daher die „Verhandlungsbasis“ (VHB): Es ist praktisch ein ungeschriebenes Gesetz, dass Preise für Gebrauchtwagen erst zwischen Verkäufer und Käufer ausgehandelt werden müssen. VHB-Angebote wirken irgendwie attraktiver als Festpreis-Offerten. Experten sind sich sicher, dass eine Bargeld-Obergrenze den Kfz-Handel negativ beeinflussen würde.
„Bargeld-Zahlungen auf eine bestimmte Summe zu limitieren, wird erhebliche Auswirkungen beim Autokauf – speziell bei Gebrauchtwagen – nach sich ziehen“, findet Klaus Heimgärtner, Rechtsschutzexperte bei Deutschlands größtem Automobilclub ADAC. Auch sei es fraglich, ob das beabsichtigte Ziel – etwa die Bekämpfung von Betrügereien mit großen Summen oder Geldwäsche – wirklich erreicht werde. „Kriminelle werden sich andere Wege suchen, ihren Machenschaften nachzugehen“, meint Heimgärtner.

Überweisungen keineswegs sicherer
Im Gegenteil: Es sind gerade die bargeldlosen Geschäfte, bei denen der ADAC überdurchschnittlich Betrügereien registriert, denen seine Mitglieder zum Opfer fallen. Denn viele gehen zu unvorsichtig mit vermeintlich sicheren Überweisungs-Geschäften um. Da war beispielsweise der Anbieter aus Spanien, der auf Gebrauchtwagen-Portalen mit besonders günstigen Autos lockte.
Um die vermeintlichen Schnäppchen zu ergattern, sollten die Kunden in Vorleistung gehen, indem sie den Kaufpreis auf ein Bankkonto im Ausland überweisen. Doch auf die Ware warteten die gutgläubigen Interessenten vergeblich: Die Gebrauchtwagen des spanischen Händlers existierten gar nicht. „Alle Fahrzeuge waren reine Fake-Angebote“, berichtet ADAC-Jurist Heimgärtner.
Seit Jahren fordert der Club daher Lösungen, um große Beträge sicher zwischen den Vertragsparteien eines Kfz-Kaufs übertragen zu können. Denn die Mitführung großer Summen Bargelds sorge für Risiken und zumindest ein „mulmiges Gefühl“, Ziel krimineller Handlungen zu werden.

Bargeldlose Zahlung (fast) ohne Alternative
Bislang hat sich auf dem Markt aber noch keine Methode zur bargeldlosen Zahlung durchgesetzt. Vermutlich liegt es auch daran, dass die Leute beim Gebrauchtwagenkauf einfach gerne handeln. „Ein bisschen runterhandeln – das geht eben am besten mit Bargeld“, meint Heimgärtner.

Aber auch für den Verkäufer sei der klassische Deal mit Scheinen und Münzen von Vorteil: Das Geschäft werde so am schnellsten abgewickelt: Der Händler bekommt sein Geld, und der Käufer kann sofort in sein neues Auto steigen.
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