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Unser Versagen im Syrien-Krieg!

 
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admin



Anmeldungsdatum: 22.07.2004
Beiträge: 2293

BeitragVerfasst am: Mo Sep 14, 2015 6:17 pm    Titel: Unser Versagen im Syrien-Krieg! Antworten mit Zitat

Europa beruht auf drei Dingen: einer gemeinsamen Währung, gemeinsamen Grundwerten und offenen Grenzen.

Die gemeinsame Währung hat Europa in Schuldner und Gläubiger gespalten, die sich belauernd und beleidigend gegenüberstehen. Und unsere gemeinsamen Werte und vermeintlichen Überzeugungen haben wir so lange ignoriert, dass nun Hunderttausende Menschen zu uns strömen, weil das moralisch so erhabene Europa (und die ganze westliche Welt) vier blutige Jahre lang

►nichts getan hat, um ihrer „responsibility to protect“ nachzukommen.

►Nichts getan hat, um Kinder vor den Giftgas- und Fassbombenangriffen eines komplett wahnsinnigen Diktators zu schützen.

►Nichts getan hat, um eines der gewaltigsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit 1945 aufzuhalten und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Egal wie wir uns selbst gern sehen würden, egal für wie gut wir uns halten - die westliche Welt hat zugesehen, als Kinder vergast wurden. Inzwischen sprechen wir vom Gasmörder Assad wieder als „kleineres Übel“. Als würde gerade die deutsche Geschichte auch nur einen Millimeter Raum lassen für eine solch zynische Argumentation.
Flüchtlingskrise aktuell
Ministerpräsident Orbán hat die Militärpräsenz an der Grenze zu Serbien massiv verschärft – jeder, der illegal nach Ungarn kommt, soll in Zukunft verhaftet werden.

Flüchtlingskrise Ungarn schließt Haupt-Grenze zu Serbien

In Gestalt Hunderttausender Verzweifelter kommt nun das Problem zu uns, das wir vor Ort nicht entschlossen lösen wollten, weil unsere Werte uns offenbar nicht wertvoll genug erschienen.

Als Reaktion auf die Menschenmassen schließt Deutschland seine Grenzen.

Ausgerechnet der Mann, der dafür verantwortlich zeichnet, Innenminister Thomas de Maizière, ist in der Syrienpolitik eine herausragende Figur des Versagens.

2012 kritisierte er noch all jene scharf, die eine Intervention in Syrien forderten: „Ich finde es schwer erträglich, dass irgendwelche Kaffeehaus-Intellektuellen den Einsatz von Soldaten fordern, ohne je darüber Rechenschaft ablegen zu müssen.“

Jetzt, da die Flüchtlinge für ihn politisch problematisch werden, fordert der deutsche Innenminister ganz schneidig ein Eingreifen gegen den syrischen Diktator. Der Kampf gegen Assad werde „nicht mit der notwendigen Entschiedenheit geführt“, so de Maizière.

Sogar den Einsatz von Bodentruppen will er plötzlich diskutieren - viel mehr als all jene „Kaffeehaus-Intellektuellen je gefordert hatten. De Maizière weiter: „Wir dürfen dem Morden nicht weiter zusehen.“

Fürs Protokoll: An „dem Morden“ ist seit 2012 nichts schlimmer geworden. Nur werden die geschundenen Syrer plötzlich innenpolitisch zum Problem. Deswegen seine Haltung zu ändern, nennt man zynisch.

Die Bundesregierung beschloss am Samstagabend, dass die deutschen Grenzen wieder kontrolliert werden. mehr...

Die Schließung der Grenze mag taktisch eine richtige und unvermeidliche Maßnahme sein, um die Menschenmassen, die bei uns genau jenen Schutz suchen, den wir ihnen viel zu lange verweigert haben, zu ordnen und, ja, auch zu überprüfen.

Natürlich ist es richtig, wissen zu wollen, wer da zu uns kommt. Natürlich sind unter den Hunderttausenden nicht nur gut gebildete Ingenieure, sondern auch abgestumpfte und möglicherweise islamistisch radikalisierte Kämpfer. Und natürlich wird diese Maßnahme viele Menschen abhalten, die in Deutschland gar keinen Anspruch auf Asyl haben.

Strategisch aber ist diese Deutschland-macht-dicht-Politik ein Blick in den Abgrund unsere bitteren Untätigkeit.

240 000 Syrer sind seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident al-Assad im März 2011 gestorben, unter ihnen mehr als 12 000 Kinder. mehr...

Europa ist zerstritten und findet außer Abschottung kein gemeinsames Konzept. Bundespolizisten an unseren Grenzen ändern nichts an dem globalen Trend, dass Millionen Menschen in den nächsten Jahren versuchen werden, ihre desolaten Lebensumstände hinter sich zu lassen.

Keine Flüchtlingsquote wird syrische Eltern von Deutschland fernhalten, nachdem sie ihre Kinder durch ISIS- und Assad-Checkpoints getragen haben, um dann in die lebensgefährlichen Boote übers Mittelmeer zu steigen.

Grenzen zu schließen ist keine Politik, sondern eine Notmaßnahme.

Politisch müssen Deutschland und Europa endlich die Frage beantworten, wer wir sind und was wir vor unserer Haustür geschehen lassen. Wenn die Verzweifelten an unseren verschlossenen Grenzen stehen, nachdem wir zugesehen haben, wie ihre Heimat niederbrennt, dann haben wir versagt.

Bild.de von JULIAN REICHELT
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